Ein Plädoyer für Künstler*innen!
- Dr. Franziska Kruppa

- 14. Aug.
- 4 Min. Lesezeit
In ihrem Buch "Der Weg des Künstlers" begegnet Julia Cameron dem Mythos, dass ein*e Künstler*in selbst in der feindlichsten aller Umgebungen die eigene Bestimmung ganz sicher finden wird.
Sie schreibt: "Das ist Unsinn! Viele echte Künstler bekommen zu früh Kinder oder haben zu viele Kinder, sind zu arm oder kulturell oder finanziell von den Möglichkeiten abgeschnitten, die es ihnen gestatten würden, die Künstler zu werden, die sie eigentlich sind."
Stimmt das? Diese Gedanken klingen auf den ersten Blick wie eine very "unpopular opinion" und wenn ich einen solchen Gedanken auf Instagram teile, höre ich schon die Stimmen, die laut protestieren und schreiben, dass es traurig sei, Kinder als Hindernis zum Glück zu beschreiben. Auf der anderen Seite gibt es auch die, die ihr Geld mit Botschaften verdienen wie "Du kannst alles werden und alles schaffen! Du entscheidest, wer du bist! Sei deines Glückes Schmied!" oder "Vertraue nur Gott!"
Doch sind wir mal ehrlich: Wie viel haben wir eigentlich selbst in der Hand? Wie können wir kluge Entscheidungen treffen mit dem, was uns anvertraut ist? Und welche Rolle spielt Gott in alledem?
1. Begegnung
2. Die Falle
3. Schaffe aktiv Raum!
4. Zusammenfassung
Raum für die eigene kreative Entfaltung
1. Begegnung
"IST DAS JETZT WIRKLICH DEIN ERNST, DASS DU JETZT HIER BLEIBST?",
fragt mich eine Bekannte, als meine Jungs eine Unternehmung machen und ich entscheide, zu Hause zu bleiben, um zu lesen und zu schreiben.
"Ja!", sage ich und füge bei, dass das gar nicht schlimm ist für mich, sondern dass ich mich darauf freue gemütlich mein Buch weiter zu lesen.
Sie nickt eifrig und sagt, dass sie das auch gern so machen würde, aber eben immer mit der Familie mit müsse.
Ja, denke ich bei mir, das ist oft das Schicksal von uns Müttern. Wir sorgen für alle, sind immer ansprechbar, immer verfügbar und müssen überall hin mit. Und wenn wir nicht aufpassen, bleibt zwischen all dem Gerenne keine Luft mehr für eigene Projekte.
2. Die Falle ES GIBT VERSCHIEDENE BEWEGGRÜNDE,

warum wir keinen Raum für uns selbst schaffen, in dem wir aufblühen können.
Vielleicht denken wir, es nicht wert zu sein oder es nicht zu dürfen. Oder wir glauben, nicht genug Talent zu besitzen. Möglicherweise sind wir auch der Fehlinformation aufgesessen, dass wir keinerlei Möglichkeiten haben etwas zu verändern.
In der christlichen Sozialisation tritt oft noch hinzu, dass wir davon ausgehen, Leid tragen zu müssen oder dass Gott schon in Existenz bringen wird, was sein soll.
Mit anderen Worten: Egal, wie die Umstände sein mögen, Gott wird es schon machen. Und wenn ein*e Künstler*in in mir steckt (oder etwas anderes, das darfst du gern für dich ergänzen), dann wird Gott das schon hervorbringen.
Ehrlich gesagt: Das glaube ich nicht. Ich denke sogar, dass das eine Falle ist.
Ich glaube nicht, dass wir uns dem Fluss des Lebens ganz passiv hingeben können und kreative Projekte wie von Zauberhand entstehen. Ebensowenig werden Dinge in sichtbare Existenz auf dieser Erde kommen, wenn wir den falschen Glaubenssätzen nachhängen und uns nicht aus ihnen heraus entwickeln. In aller Regel braucht es viel Zeit, Energie, Raum und finanzielle Möglichkeiten, um unsere Projekte in Existenz kommen zu lassen. Das mag uns gefallen oder nicht. Wir können uns darüber beschweren oder es ignorieren. Ich denke jedoch, dass die Umstände ein Stück weit so sind.
3. Schaffe aktiv Raum! GLEICHZEITIG

können wir immer etwas aus diesen Umständen machen. Wir sind nicht machtlos, sondern Gestalter*innen unseres Lebens. Wir treffen Entscheidungen. Täglich kleine. Hin und wieder große. Oft erweisen sich die kleinen täglichen ein paar Jahre später als die eigentlich wegweisenden.
Außerdem können wir Gott in alles einbeziehen. Wir können Rat suchen bei der Ratgebenden. Gott verspricht uns Weisheit zu schenken, wenn wir nur darum bitten (Jakobus 1, 5). Wir können den Weg der Heilung antreten mit der Heilenden (Exodus 15, 26). Wir dürfen und sollen in allem die Freude suchen (Prediger 8, 15).
So sind wir Kreierende auf dieser Welt.
Wir sind Hörende, was Gott uns zu sagen hat.
Und wir sind Empfangende für das, was uns geschenkt wird.
Um hören zu können, brauchen wir Zeiten der Ruhe und Stille nur für uns. Immer wieder. Regelmäßig. Wir dürfen und müssen das Alleinsein kultivieren, so wie ich es dir in meiner Anfangsbegegnung hier erzählt habe.
Als Kreierende tragen wir Verantwortung und dürfen ganz aktiv Schritte in die für uns richtige Richtung gehen. Wir dürfen uns immer wieder fragen: Warum mache ich das? Fühlt es sich für mich wirklich richtig und freudvoll an, komme ich so zum Blühen? Oder mache ich es, weil andere es erwarten oder ich glaube, nicht anders handeln zu können? Was kann ich heute tun? Was darf ich verändern und was sollte bleiben?
Schließlich liegt ein Geheimnis auch im Empfangen. Manches können wir nicht "machen". Halte Ausschau und sei bereit, mitten in deinem Tun auf deinem Weg von Gott zu empfangen!
4. Zusammenfassung
ICH PERSÖNLICH MUSS MICH IMMER WIEDER GANZ BEWUSST DAFÜR ENTSCHEIDEN,

Raum für mich selbst und meine kreativen Projekte zu schaffen.
Und wie so oft im Leben ist es, so glaube ich, die "goldene Mitte", die hier zum Ziel führt: Ich glaube, dass wir am besten in der Co-Creation mit Gott leben.
Ich glaube, dass wir geschaffen sind in Gottes Bild (Genesis 1, 26.27), was für mich einschließt, dass wir Schöpfer*innen, Kreierende unseres Lebens sind. Die Bibel berichtet uns davon, dass Gott spricht und es geschieht. Ähnlich gestalten auch wir durch unsere Worte und Taten unsere Wirklichkeit.
Ich glaube nicht, dass Gott "allmächtig" stets und ständig in unseren Lebensalltag eingreift und schon geschehen wird, was geschehen soll. Vielmehr tragen wir selbst Verantwortung - auch für unsere Kreativität und die eigenen Projekte.
Gleichzeitig beobachte ich auch, dass wir nicht losgelöst leben (können) von unseren Umständen. Und wiederum gleichzeitig geschehen manchmal Wunder und Geheimnisse, die wir einfach nur empfangen, aber niemals machen können.
Immer können wir Wegbereiter*innen sein. Das wünsche ich dir und mir!



Kommentare